Haben Sie als gesetzlich Versicherter schon mal wochenlang auf einen Facharzttermin gewartet, während Privatpatienten schon am nächsten Tag drankamen? Dann kennen Sie die deutsche Zweiklassenmedizin aus eigener Erfahrung. Deutsche Arztpraxen behandeln 90 Prozent der Bevölkerung systematisch als Patienten zweiter Klasse, weil das Abrechnungssystem Privatpatienten viel lukrativer macht.

Das Problem liegt nicht an schlechten Ärzten oder mangelnder Qualität. Die Gesundheitsversorgung in Deutschland gilt eigentlich als ziemlich gut.
Aber ein System aus Budgetgrenzen und unterschiedlichen Gebührenordnungen drängt Ärzte praktisch dazu, Kassenpatienten schlechter zu behandeln.
Arzthelferinnen bekommen Anweisungen, Kassenpatienten Folgetermine zu verweigern. Währenddessen sitzen weinende Kinder im Wartezimmer und Ärzte behandeln Privatpatienten sofort.
Die Unterschiede zeigen sich bei der Terminvergabe, der Behandlungsdauer und sogar bei Zusatzleistungen – alles hängt am Versicherungsstatus.
Kassenpatienten und das System der Zweiklassenmedizin

In Deutschland benachteiligen Praxen 90 Prozent der Bevölkerung als gesetzlich Versicherte systematisch. Privatpatienten genießen dagegen klare Vorteile.
Das Abrechnungssystem schafft finanzielle Anreize für Ärzte. Diese führen zu längeren Wartezeiten und unterschiedlichen Standards bei der Behandlung.
Unterschiede zwischen Kassenpatienten und Privatpatienten
Als Kassenpatient müssen Sie oft sechs Wochen oder länger auf einen Facharzttermin warten. Privatpatienten bekommen den Termin dagegen manchmal schon am nächsten Tag.
Gerade bei Kardiologen oder Orthopäden fällt dieser Unterschied auf.
Auch bei der Behandlungsqualität gibt’s deutliche Unterschiede:
- Kassenpatienten: Grundleistungen laufen über Pauschalen
- Privatpatienten: Ärzte rechnen jede Leistung einzeln ab
Privatversicherte erleben oft mehr Untersuchungen. Bei Oberbauchschmerzen schauen Ärzte dann gleich drei Organe an, wo eigentlich die Leber gereicht hätte.
Der Preisunterschied bei einer Sonografie? Über 70 Euro zwischen GKV und privater Abrechnung.
Historische Entwicklung des Zwei-Klassen-Systems
Ende des 19. Jahrhunderts entstand das deutsche Krankenversicherungssystem mit Bismarcks Sozialgesetzgebung. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) führte man damals für Arbeiter ein.
Beamte und Selbstständige blieben draußen. Diese Trennung wurde über Jahrzehnte immer fester.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelten sich zwei parallele Systeme. Die GKV setzt aufs Solidaritätsprinzip – alle zahlen je nach Einkommen.
Die private Krankenversicherung arbeitet nach dem Äquivalenzprinzip. Hier richten sich Beiträge nach Gesundheitsrisiko und gewünschten Leistungen.
Gesetzliche Rahmenbedingungen der GKV
Die GKV setzt strenge Budgetgrenzen. Ihr Hausarzt bekommt etwa 40 Euro Grundpauschale pro Quartal – egal, wie oft Sie kommen.
EKG, Blutentnahmen oder Grippeuntersuchungen bringen kein Extra-Geld.
Wichtige GKV-Regelungen:
| Bereich | Regelung |
|---|---|
| Grundpauschale | ~40 Euro pro Quartal |
| Zusatzleistungen | Meist nicht extra vergütet |
| Budgetgrenze | Ärzte erhalten kein Extrageld bei Überschreitung |
Viele Ärzte sagen ganz offen: „Die Privatpatienten sind für uns ein Benefit, um Geräte und Personal zu finanzieren.“
Deshalb bestellen sie Private häufiger ein. Das System zwingt Mediziner praktisch dazu, gesetzlich Versicherte zu benachteiligen.
Bevorzugung in deutschen Arztpraxen: Praxiserfahrungen und Terminvergabe

Privatpatienten bekommen nachweislich schneller Termine bei Fachärzten als gesetzlich Versicherte. Die Unterschiede bei Wartezeiten lassen sich sogar mathematisch belegen.
Diese Unterschiede entstehen durch strukturelle Faktoren im deutschen Gesundheitssystem.
Vorteile für Privatpatienten bei Terminvergabe
Privatpatienten kommen viel schneller an einen Facharzttermin. Das liegt vor allem daran, dass es viel weniger Privatversicherte als Kassenpatienten gibt.
Ärzte müssen 25 Stunden pro Woche für gesetzlich Versicherte arbeiten. Danach dürfen sie bis zu 13 Stunden zusätzlich Privatpatienten behandeln.
Diese klare Trennung macht Privattermine seltener und auch begehrter.
Die Praxis gehört dem Arzt, nicht den Kassen. Er kann also selbst entscheiden, wann er Privatpatienten behandelt.
Viele Ärzte legen diese Termine auf besonders beliebte Zeiten wie den Vormittag oder frühen Nachmittag.
Privatpatienten zahlen auch höhere Honorare. Ein Privatpatient bringt oft das Dreifache im Vergleich zu einem Kassenpatienten ein.
Das macht solche Termine natürlich finanziell sehr attraktiv für Praxen.
Wartezeiten: Fakten und Unterschiede zwischen Patientengruppen
Als Kassenpatient warten Sie oft wochenlang auf Facharzttermine. Privatpatienten bekommen meist innerhalb weniger Tage einen Termin.
Die Unterschiede sind ziemlich deutlich:
- Kassenpatienten: 4-8 Wochen Wartezeit beim Facharzt
- Privatpatienten: 3-7 Tage Wartezeit
- Notfälle: Sofortige Behandlung, egal welcher Versicherungsstatus
Gerade bei Orthopäden, Hautärzten und Gynäkologen sind die Unterschiede extrem. Kassenpatienten müssen dort manchmal monatelang warten.
Budgetierung verschärft das Problem. Ärzte haben begrenzte Kontingente für Kassenleistungen.
Sind diese aufgebraucht, behandeln sie entweder kostenlos weiter oder verschieben Termine.
Praktiken und Zwänge im Praxisalltag
Schon am Telefon fragen Praxen oft nach Ihrer Versicherung. Das ist legal und ziemlich verbreitet.
Viele Arzthelferinnen bekommen genaue Anweisungen, wie sie Termine vergeben sollen.
Typische Praktiken in Praxen:
- Getrennte Terminkalender für Privat- und Kassenpatienten
- Bevorzugte Uhrzeiten für Privatpatienten
- Längere Behandlungszeiten für Privatversicherte
- Wartelisten nur für Kassenpatienten
Ärzte stehen unter enormem wirtschaftlichem Druck. Steigende Kosten und Bürokratie zwingen sie, rentable Privatpatienten zu bevorzugen.
Der Fachkräftemangel macht alles noch schlimmer. Weniger Ärzte müssen immer mehr Patienten versorgen.
Da bleibt oft nur die Priorisierung nach Versicherungsstatus.
Perfektionierung der Zweiklassenmedizin: Ursachen und Folgen
Das deutsche Gesundheitssystem hat durch finanzielle Anreize und unterschiedliche Vergütungssysteme eine klare Ungleichbehandlung zwischen Privat- und Kassenpatienten geschaffen.
Finanzielle Unterschiede führen zu längeren Wartezeiten und eingeschränkter Versorgung für gesetzlich Versicherte.
Finanzielle Anreize und Honorarsysteme
Das Abrechnungssystem steht im Zentrum der Zweiklassenmedizin in Deutschland. Privatpatienten bringen Ärzten deutlich mehr Geld als gesetzlich Versicherte.
Mit nur 10 Prozent der Bevölkerung sorgen Privatpatienten für einen überproportional hohen Umsatz in Arztpraxen.
Die gesetzliche Krankenversicherung setzt harte Budgetgrenzen für Behandlungskosten. Private Versicherungen zahlen nach der Gebührenordnung für Ärzte – und das sind deutlich höhere Sätze.
Diese Honorarunterschiede schaffen starke wirtschaftliche Anreize. Ärzte bevorzugen Privatpatienten bei der Terminvergabe.
Eine einfache Internetanfrage zeigt das Problem: Wählen Sie „GKV“, warten Sie mindestens sechs Wochen auf einen Facharzttermin. Bei „PKV“ bekommen Sie innerhalb von 24 Stunden einen Termin.
Auswirkungen auf die medizinische Versorgung
Die Zweiklassenmedizin bringt für Kassenpatienten spürbare Nachteile. 55 Prozent der Ärzte verzichten aus Kostengründen auf Behandlungen, die sie eigentlich für nötig halten.
Lange Wartezeiten sind da nur das Offensichtliche. 42 Prozent der Kassenpatienten fürchten, wichtige Leistungen nicht zu bekommen.
Bei Kindern unter zwölf Jahren berichten 28 Prozent der Eltern, dass sie überhaupt keine Kinderarztpraxis finden.
Die Versorgungsunterschiede können im Ernstfall lebensgefährlich werden. Wenn dringende Termine wochenlang warten müssen oder wichtige Untersuchungen aus Kostengründen unterbleiben, leidet Ihre Gesundheit.
Jede vierte Kassenpatientin zweifelt inzwischen an der Notversorgung in ihrer Region.
Politische Debatten und Lösungsvorschläge
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) nennt die Situation ganz offen „Zweiklassenmedizin“. Er will, dass die Diskriminierung von Kassenpatienten endlich aufhört.
Der GKV-Spitzenverband bringt einige Vorschläge auf den Tisch:
- Arztpraxen sollen verpflichtend tagesaktuell freie Termine online zeigen.
- Die Kassenärztlichen Vereinigungen sollen besser koordinieren.
- Die Budgets für die gesetzliche Krankenversicherung müssten steigen.
Doch das eigentliche Problem sitzt tiefer. Chronische Unterfinanzierung und Fachkräftemangel machen alles noch schlimmer.
Der Anteil junger Ärzte unter 35 Jahren lag 1995 bei 24,8 Prozent. 2021 waren es nur noch 18,9 Prozent.
CDU-Sozialflügel-Chef Dennis Radtke sieht das kritisch. Er warnt: „Bei steigenden Kosten und wochenlangen Wartezeiten verlieren wir Akzeptanz für das System.“




