Jeden Abend schalten fast 10 Millionen Deutsche um 20 Uhr die Tagesschau ein. Sie bleibt die erfolgreichste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen.
Aber wer entscheidet eigentlich, welche Nachrichten dort laufen?

Die Redakteure von ARD-aktuell in Hamburg wählen die Tagesschau-Inhalte aus. Diese Gemeinschaftseinrichtung aller ARD-Sender besteht aus einer kleinen Gruppe von Journalisten. Sie picken aus hunderten Meldungen die wichtigsten Themen für Millionen Zuschauer heraus.
Ihre Auswahl beeinflusst, was Deutschland am Abend für wichtig hält.
In den letzten Jahren sind allerdings Zweifel am Vertrauen in die Medien gewachsen. Falschmeldungen über die Tagesschau verbreiten sich blitzschnell in sozialen Netzwerken.
Das wirft schon Fragen auf: Wie sehr kann man den Medien noch trauen?
Wie die Tagesschau-Themen ausgewählt werden

Die tägliche Auswahl der Tagesschau-Nachrichten folgt klaren redaktionellen Abläufen. Verschiedene Akteure innerhalb der ARD-Struktur beeinflussen diese Prozesse.
ARD-aktuell übernimmt die Hauptverantwortung für die endgültige Themenauswahl. Die Redaktion entscheidet, was die Zuschauer abends zu sehen bekommen.
Redaktionelle Entscheidungsprozesse und Kriterien
Die Redaktion von ARD-aktuell steht jeden Tag vor der Aufgabe, aus einer Flut an weltweiten Meldungen die relevantesten Nachrichten auszuwählen. Nachrichtenwert und gesellschaftliche Relevanz sind dabei die wichtigsten Kriterien.
Redakteure prüfen jede Meldung nach Faktoren wie Aktualität, Anzahl der betroffenen Menschen und politischer oder wirtschaftlicher Tragweite. Auch die Nähe zu Deutschland fließt in die Entscheidung ein.
Sie checken mehrere Quellen, bevor sie eine Nachricht in die Sendung aufnehmen. Das sogenannte Mehrquellenprinzip sorgt dafür, dass Informationen von Agenturen wie dpa, Reuters oder AFP zusätzlich überprüft werden.
Die Redakteure recherchieren oft selbst, um die Glaubwürdigkeit der Meldungen zu testen.
Verantwortliche Akteure bei der Themenauswahl
Die tägliche Runde der ARD-Chefredakteure legt die Schwerpunkte fest. In dieser Runde entscheidet man auch über wichtige Formate wie Meinungsbeiträge in den Tagesthemen.
ARD-aktuell in Hamburg koordiniert die finale Themenauswahl für alle Tagesschau-Ausgaben. Die Redakteure bestimmen die Reihenfolge der Beiträge und die Gewichtung der Themen.
Korrespondenten im In- und Ausland liefern der Redaktion wichtige Themenvorschläge. Sie recherchieren vor Ort und bieten Geschichten an, die dann in Hamburg geprüft werden.
Erst wenn die Tagesschau oder andere ARD-Formate einen Beitrag bestellen, genehmigt man aufwändige Drehreisen.
Die neun Landesrundfunkanstalten können über ihre Chefredakteure eigene Vorschläge einreichen. Besonders bei regionalen Themen, die überregional wichtig sind, passiert das regelmäßig.
Rolle der ARD und öffentlich-rechtliche Vorgaben
Die ARD als öffentlich-rechtlicher Sender muss bestimmte Vorgaben bei der Programmgestaltung einhalten. Der Bildungsauftrag und eine ausgewogene Berichterstattung prägen die Tagesschau-Redaktion.
Die föderale Struktur der ARD sorgt für Berichte aus allen Bundesländern. Jede Landesrundfunkanstalt betreibt regionale Studios und Korrespondentenbüros, die lokale Ereignisse schnell an die Zentrale weitergeben.
Konstruktiver Journalismus spielt inzwischen eine größere Rolle. Die Redaktion will nicht nur Probleme zeigen, sondern auch Lösungen und positive Entwicklungen.
Weil die Tagesschau unabhängig von Werbung und Quoten arbeitet, kann sie Themen nach journalistischen Kriterien auswählen. Gebührenfinanzierung schafft einen Rahmen, in dem Einschaltquoten weniger Druck machen.
Desinformation und Falschmeldungen im Zusammenhang mit der Tagesschau

Kriminelle missbrauchen den Namen der Tagesschau für Betrügereien und Falschmeldungen. Gefälschte Artikel und manipulierte Videos verbreiten sich vor allem über soziale Netzwerke und locken Menschen in Investmentfallen.
Fake News und gefälschte Artikel im Namen der Tagesschau
Gefälschte Tagesschau-Screenshots tauchen immer wieder im Netz auf. Betrüger basteln täuschend echte Nachrichtenmeldungen über angebliche Amazon-Plattformen oder andere Investments.
Die ARD warnt vor KI-generierten Audiodateien, in denen Tagesschau-Sprecher sich für angebliche Lügen entschuldigen. Solche Fälschungen werden immer professioneller.
So durchschauen Sie Fakes:
- Besuchen Sie die offizielle Tagesschau-Website
- Suchen Sie nach Faktenchecks von Correctiv.Faktencheck
- Achten Sie auf seltsame URLs oder Tippfehler
- Vergleichen Sie mit anderen seriösen Quellen
Die Watchlist Internet sammelt regelmäßig neue Betrugsmaschen mit gefälschten Tagesschau-Artikeln. Meist werben diese Fake-Artikel für dubiose Investmentplattformen.
Rolle von Social Media: Facebook, X und Instagram
Facebook, X und Instagram verbreiten gefälschte Tagesschau-Inhalte besonders schnell. Meta bemüht sich, diese Fälschungen zu stoppen, schafft es aber nicht immer rechtzeitig.
Betrüger setzen auf gezielte Werbekampagnen mit Prominentenbildern und Tagesschau-Logos. Die Anzeigen führen direkt zu betrügerischen Investmentseiten.
Warnsignale in sozialen Netzwerken:
- Tagesschau-Artikel mit Werbelinks
- Reißerische Überschriften zu Promi-Investments
- Unbekannte Profile, die „Nachrichten“ teilen
Die Deutsche Bundesbank warnt regelmäßig vor solchen Maschen.
Betrugsmaschen und Investitionsfallen wie Bitcoineer
Bitcoineer und ähnliche Plattformen nutzen gefälschte Tagesschau-Artikel als Köder. Sie behaupten, Prominente hätten in ihre Kryptowährungsplattform investiert.
Das Muster ist immer gleich:
- Gefälschter Tagesschau-Artikel über angeblichen Erfolg
- Weiterleitung auf eine betrügerische Handelsplattform
- Aufforderung zur Einzahlung kleiner Beträge
- Verlust des eingezahlten Geldes
Die Watchlist Internet dokumentiert hunderte solcher Betrugsfälle. Opfer verlieren dabei oft mehrere tausend Euro. Die Deutsche Bundesbank rät dringend davon ab, auf solche Angebote zu reagieren.
Auswirkungen von Falschmeldungen auf das Vertrauen in die Medien
Falschmeldungen haben das Vertrauen der Deutschen in traditionelle Medien erschüttert. Während der Corona-Pandemie schossen Verschwörungsmythen durch die sozialen Netzwerke.
Medienunternehmen reagierten mit mehr Faktenchecks und neuen Strategien gegen Desinformation.
Prominente Fälle und Verschwörungsmythen
Die Corona-Pandemie brachte eine Welle von Verschwörungsmythen, die das Medienvertrauen beschädigten. Falschmeldungen über angebliche Chip-Implantate in Impfungen verbreiteten sich rasant über Messenger-Dienste.
Alice Weidel nutzte ihre Reichweite, um Zweifel an den offiziellen Corona-Maßnahmen zu streuen. Solche Aussagen verstärkten die Skepsis gegenüber etablierten Medien.
Etwa ein Drittel der Deutschen fürchtet heute manipulierte Nachrichten in Mainstream-Medien. Das Vertrauen in soziale Netzwerke fiel 2023 auf nur noch 2 Prozent – ein Tiefpunkt.
Auch alternative Nachrichtenseiten verlieren an Vertrauen. Nur 4 Prozent der Befragten glauben diesen Quellen noch.
Relevanz während gesellschaftlicher Krisen wie der Corona-Pandemie
Corona hat das Medienvertrauen auf eine harte Probe gestellt. 2020 vertrauten 44 Prozent der Deutschen den Medien – ein Spitzenwert, der bis 2023 wieder auf das Vor-Pandemie-Niveau sank.
Falschmeldungen über Impfungen und Ausgangssperren prägten die Debatte. Viele Menschen suchten nach alternativen Informationsquellen, als offizielle Inzidenz-Zahlen angezweifelt wurden.
Gezielte Desinformation beeinflusste die Impfquote. Fake News über angebliche Impfschäden verbreiteten sich schneller als jede wissenschaftliche Aufklärung.
Jeder vierte Deutsche vertraut heute den Medien nicht mehr – 2022 war es noch jeder fünfte. Die Polarisierung zeigt, wie sehr Coronavirus-Verschwörungsmythen das Vertrauen langfristig beschädigt haben.
Initiativen zur Faktenüberprüfung und Gegenmaßnahmen
Medienunternehmen suchen ständig nach neuen Wegen, um Falschmeldungen zu bekämpfen. Heute legen Faktenchecker oft Nachtschichten ein, um Desinformation aufzudecken.
Die Tagesschau und andere öffentlich-rechtliche Angebote stehen bei den Menschen immer noch ganz oben, wenn es um Vertrauen geht. Tatsächlich vertrauen 64 Prozent der Deutschen dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen.
Wichtige Maßnahmen gegen Fake News:
- Schnelle Faktenchecks bei viralen Meldungen
- Kooperationen zwischen Medienunternehmen
- Aufklärung über Erkennungsmerkmale von Falschmeldungen
- Transparenz bei Quellen und Recherchemethoden
Trotz aller Anstrengungen bleibt das Problem ziemlich hartnäckig. 23 Prozent der Befragten denken weiterhin, Medien würden mit der Politik gemeinsame Sache machen, um die öffentliche Meinung zu steuern.




